Projekt „Werkstatt – Kreativ – Integrativ – Haiterbach“

Da staunst Du Bauklötze!

Foto: Jan Ehlers

Foto: Jan Ehlers

Bild: MGH Haiterbach

Bild: Ricarda Valon

Mit LEGO-Steinen lassen sich nicht nur Häuser, Flughäfen oder Fußballstadien aufbauen – sondern auch Freundschaften. Das zeigen die LEGO-Bautage im Mehrgenerationenhaus Haiterbach: Im Rahmen des Programms "Werkstatt - Kreativ - Integrativ - Haiterbach" wird das Selbstbewusstsein und das Gemeinschaftsgefühl von Kindern und Jugendlichen gestärkt. Das Programm wurde von der Deutschen Fernsehlotterie gefördert.

Sirenen heulen auf, Blaulicht durchleuchtet die Stadt. „Eine Bank wurde gerade überfallen“, ruft Jürgen Kraft. Kein Grund zur Panik. Denn erst vor ein paar Sekunden wurde die neue Polizeistation mit Gefängnis fertiggestellt und eingeweiht. „Die Polizeistation zu bauen, war gar nicht so einfach“, sagt Baumeister Noah (9). „Wir mussten beim Gefängnis jedes Gitter einzeln bauen.“

250.000 kleine Plastiksteine werden bei den LEGO-Bautagen von 53 kleinen Baumeistern zu einer Stadt verarbeitet. An jedem Tisch im Gemeindesaal der Evangelischen Gemeinde Haiterbach rascheln LEGO-Steine, Kinder wühlen in Kisten und suchen sich ihre Bauteile zusammen. Der ernannte Stadtbaumeister von LEGO-City, Jürgen Kraft, stellt kurz vor dem Mittagessen die Neuerungen vor. Vollkonzentriert hören seine kleinen Architekten, Ingenieure und Baumeister zu, was sie an einem Vormittag in dem Gemeindehaus in der Nähe von Stuttgart erschaffen haben.

Weg vom Smartphone – und kreativ werden!

Vor etwa einem Jahr hat das Mehrgenerationenhaus Haiterbach im Nordschwarzwald mit Unterstützung der Deutschen Fernsehlotterie das Programm „Werkstatt – Kreativ – Integrativ ­– Haiterbach“ (KiHa) gestartet. Dabei möchte es Kinder und Jugendliche durch handwerkliche Arbeit zusammenbringen – ganz egal, welchen sozialen Hintergrund sie haben. „Uns ist wichtig, dass die Kinder etwas mit ihren Händen machen und Erfolgserlebnisse haben“, sagt Stefanie Hälker, Projektleiterin der KiHa. Die Kinder sollen weg vom schulischen und gesellschaftlichen Leistungsdruck. „Auch mal weg vom Smartphone“, sagt Hälker. Neben dem Motorischen und Handwerklichen, wird so auch das Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt. Und so verwundert es auch nicht, dass während der LEGO-Bautage im Mehrgenerationenhaus nicht nur Häuser, Flughäfen oder Fußballstadien aufgebaut werden – sondern auch Freundschaften.

„Wir achten darauf, dass etwa ein Drittel der Kinder aus sozial schwächeren und Familien mit Flucht- oder Migrationshintergrund kommen“, sagt Gerlinde Unger, Leiterin des Mehrgenerationenhauses. Die Integration ist dem Mehrgenerationenhaus ein wichtiges Anliegen. „Oft bekommen die Familien keine Möglichkeit, Teil der Gesellschaft zu werden“, so Unger – vor allem im ländlichen Raum. Beim Spielen, Handwerken, und gemeinsam kreativ sein, spiele Sprache und Herkunft keine Rolle. Und die Integration gelingt: „Es haben sich so viele Kinder angemeldet, dass der Platz in unserem Mehrgenerationenhaus gar nicht ausgereicht hätte.“ Um LEGO-City zu errichten, hat sich daher das Mehrgenerationenhaus mit der Gemeinde zusammengetan, denn im Pregizerhaus ist Platz genug für alle.

Am Nachmittag später hat sich in der LEGO-Stadt einiges getan. Die kleinen Baumeister stehen gespannt um die Baufläche, begutachten ihr Werk und staunen, was sie erschaffen haben. Neben Polizeistation, Bankfiliale und Ritterburg ist viel Neues aus Kunststoffsteinchen entstanden: Flughafen, Ponyhof, Leuchtturm und Campingplatz, sogar ein komplettes Fußballstadion mit Mannschaft und Zuschauern. Auch Stadtbaumeister Kraft staunt nicht schlecht. „Ihr wart sehr fleißig. Das sieht toll aus“, lobt er seine Architekten. Und wie viele Ganoven und Räuber noch in den Zellen der Polizeistation landen werden, bleibt der Fantasie der kleinen Baumeister überlassen.

Dies ist eine gekürzte Version der Reportage, die am 6. April 2019 im Mehrgenerationenhaus Haiterbach entstand. Den kompletten Text – und
viele weitere Reportagen zu sozialen Projekten – finden Sie im Online-Magazin der Deutschen Fernsehlotterie: https://www.fernsehlotterie.de/magazin

Autorin: Loana Schnitzspahn  /  Fotograf: Jan Ehlers

 

 

Do it yourself - aber nicht alleine: Wie "altes" Handwerk junge Menschen zusammenbringt

Im Projekt "Werkstatt - Kreativ - Integrativ - Haiterbach" erschaffen Kinder und Jugendliche durch unterschiedlichste Handwerksarbeiten ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Die kreative Arbeit fördert nicht nur das Selbstbewusstsein, sondern auch den Nachhaltigkeitsgedanken - und die Begegnung zwischen Menschen aus den verschiedensten Generationen und Hintergründen.
Autorin: Franziska Grillmeier / Bilder:
Deutsche Fernsehlotterie - Jan Ehlers

Zehn Mädchen sind heute zum Sommerferienprogramm von "KiHa - kreativ, integrativ Haiterbach" gekommen. "Die Jungs sind dann Morgen bestimmt wieder im Freiluftmuseum dabei" gluckst die 10-jährige Aia, die zusammen mit ihren Schwestern Nada (8) und Nour (3) am heutigen Kurs teilnimmt. Sie schließt die Augen - so wie auch die anderen Mädchen, um sich den fertigen Turnbeutel, den sie heute nähen werden, besser vorstellen zu können: Rot oder weiß? Mit Punkten? Mickey Mouse oder Krone als Verzierung? Niemand scheint die Hitze zu spüren, die an diesem Sommertag durch die großen Fenster ins Mehrgenerationenhaus von Haiterbach wabert. Die Konzentration ist auf die Stoffe, Glitzersteine, Kordeln und Knöpfe gerichtet, die wie in einem Süßigkeitenladen in kleinen Kartons auf den Tischen funkeln.

Gemeinsam etwas schaffen, Selbstvertrauen stärken

In dem renovierten Fachwerkhaus mit rotem Dach und grauen Holzbalken, hinter dem sich die Wipfel des Schwarzwaldes in die Luft schrauben, siegt die Konzentration bei den jungen Teilnehmerinnen über die Mittagsmüdigkeit der kleinen Stadt. Und genau das ist es auch, was das Projekt anregen will. "Die Kinder sollen Selbstvertrauen entwickeln, selbst etwas zu erschaffen", so Gerlinde Unger. Und auch lernen, nachhaltig mit verschiedenen Materialien, Werkzeug und Alltagsgegenständen umzugehen. So kam auch die Idee mit den Turnbeuteln, denn aus alten Stoffen lässt sich immer etwas basteln.

Aia steht als erste an den Stoffen. Für sie ist es die erste Veranstaltung im Ferienprogramm. Die 10-Jährige streicht sich die Haare aus der Stirn, als würde ihr das mehr Durchblick bei der Entscheidung geben. "Mickey oder...", sie schwankt noch eine Weile über der Krone, "ne ich bleib dabei!" Hinter ihr klatscht Yllza aufgeregt in die Hände: "Gute Entscheidung!"

Am Ende ist es auch Aia, die als erste mit ihrem Turnbeutel fertig ist. "Kann ich noch einen machen?" fragt sie die Ehrenamtliche Christina, die sich über die letzten Turnbeutel an der Maschine beugt. "Eigentlich darf sich jeder nur einen Turnbeutel aussuchen, aber wenn noch Zeit bleibt...", Christina schaut auf die Uhr, "den von deiner kleinen Schwester Nour müssen wir noch fertig machen". Sie zwinkert.

Während Aia noch rasch ein paar Glitzersteine für den Turnbeutel ihrer kleinen Schwester aussucht, schmieden Yllza und ihre Freundin Lena auf der Couch sitzend schon neue Pläne: Beim gemeinsamen Eis machen am Freitag im Seniorenheim, da wollen sie auf jeden Fall auch wieder dabei sein.


Dies ist eine gekürzte Version der Reportage, die am 21. August 2018 im Mehrgenerationenhaus Haiterbach entstand. Den kompletten Text finden Sie im Online-Magazin der Deutschen Fernsehlotterie: https://www.fernsehlotterie.de/do-it-yourself

Die Bildrechte in diesem Beitrag gehören:
Deutsche Fernsehlotterie / Jan Ehlers